ZWÖLF - Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne in Baden-Württemberg

Eine Wanderausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart wirbt für junge Kulturdenkmale

 

Etwa 1.000 Kirchenbauten wurden zwischen 1960 und 1980 in Baden-Württemberg errichtet. Rund 150 Kirchen der so genannten Nachkriegsmoderne sind inzwischen denkmalgeschützt. ZWÖLF exemplarische Bauten für diese theologische wie architekturgeschichtliche Umbruchzeit zeigt die gleichnamige Ausstellung. Sie entstand im Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart mit den Projektpartnern der evangelischen und katholischen Landeskirchen, unterstützt von der Wüstenrot-Stiftung. Von Juli 2019 bis Juni 2020 tourt sie quer durchs Land.

 

 

Die Sonnenbergkirche ist eine dieser ZWÖLF Kirchen und darf sich einen Monat lang in all ihren Facetten und mit einem reichen Rahmenprogramm präsentieren. Die anderen elf Bauten können die Besucherinnen und Besucher in Form von 3D-Drucken, virtuellen 360°-Panoramen und historischem Bildmaterial entdecken. Parallel zur Ausstellung bietet die Publikation „Gotteszelt und Großskulptur“ eine fundierte Darstellung des Kirchenbaus der Nachkriegsmoderne in Baden-Württemberg.

 

 

In der Sonnenbergkirche gastiert die Ausstellung vom 1. Juli 2019 bis zum 30. Juli 2019, täglich 9.00 Uhr - 20.00 Uhr.

 

Der Eintritt ist frei.

 

Alle Informationen zu den anderen Ausstellungsorten und zum Begleitprogramm finden Sie unter www.zwoelf-kirchen.de.

Begleitfilm zur Ausstellung von Ulrich Engert: https://youtu.be/mJyilwQLVwg

Kirchenausstellung ZWÖLF

Ausstellungskalender für Sonnenberg

 

1.-30. Juli 2019, täglich 9.00-20.00 Uhr

geöffnete Kirche zur Ausstellung

 

Freitag, 28. Juni 2019, 17.00 Uhr – Sonnenbergkirche

Ausstellungseröffnung

„Kirchenbau der 1960er und 1970er Jahre in BW“

Dr. Melanie Mertens, Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart;

Pfarrer Hartmut Mildenberger, Sonnenberg;
Prälatin Gabriele Arnold, Ev. Landeskirche Württemberg;

Domkapitular Msgr. Dr. theol. Uwe Scharfenecker, Diözese Rottenburg-Stuttgart;

Staatssekretärin Katrin Schütz, Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg

 

Samstag, 6. Juli 2019 – Aktionstag im Rahmen des Gemeindefestes

Bastelarbeiten und Materialerkundung rund ums Bauen, Konstruieren, Beton etc.; virtuelle Erkundung der Kirchenräume mit VR-Brille

15.30-16.30 Uhr Kindergarten-, junge Schulkinder

17.00-18.00 Uhr ältere Schulkinder

Dr. Tamara Engert, Kunsthistorikerin, Güglingen

 

Sonntag, 7. Juli 2019, 10.45 Uhr – Gottesdienst im Innenhof

Liturgie: Pfarrer Hartmut Mildenberger

Musik: Gruppe Regenbogen

 

Sonntag, 14. Juli 2019 – "Augen-Ohren-Gaumenschmaus"

17.00 Uhr Führung durch die Ausstellung

18.00 Uhr Konzert im Innenhof, ConcertBand der Universität Hohemheim

19.00 Uhr Bewirtung

veranstaltet durch den Förderverein Sonnenbergkirche e.V.

 

Donnerstag, 18. Juli 2019, 19.00 Uhr

Die Sonnenbergkirche im Kontext Stuttgarter Sichtbetonbauten

Referent: Dr. Dietrich Heißenbüttel, Architekt, Kunsthistoriker, Publizist

auf Einladung der Stiftung Gemeindezentrum Sonnenbergkirche

 

Mittwoch, 24. Juli 2019

Aktionsnachmittag für Konfirmanden

Dr. Tamara Engert, Kunsthistorikerin, Güglingen

 

Mittwoch, 24. Juli 2019, 19.00 Uhr

Ein Schweizer in Sonnenberg – Ernst Gisels Evangelisches Gemeindezentrum

Andrea Steudle, Inventarisation Bau- und Kunstdenkmalpflege, Landesamt für Denkmalpflege

50 Jahre Sonnenbergkirche (1966-2016)

Im Jahr 1966 wurde auf dem Sonnenberg die neue Kirche eingeweiht. Sie ist in den vergangenen 50 Jahren mit dem angeschlossenen Gemeindezentrum zum zentralen Mittelpunkt Sonnenbergs geworden, in dem sich die Menschen mit Freude begegnen.
Wie sah die Welt vor fünfzig Jahren aus? Manche werden sich erinnern. Vor fünfzig Jahren trat Ludwig Erhard als Bundeskanzler zurück, sein Nachfolger wurde Kurt-Georg Kiesinger als Bundeskanzler der ersten großen Koalition. Die Endrunde der Fußballweltmeisterschaft wurde zum ersten Mal im Fernsehen übertragen, doch nur in wenigen Haushalten gab es schon Fernseher. England wurde damals – übrigens zum bisher einzigsten Mal – Fußballweltmeister. Viele
von uns erinnern sich vielleicht an die Kurzschuljahre, die durch die Umstellung des Schuljahreswechsels von Ostern auf nach den Sommerferien notwendig wurden. Die Telefone hatten noch Wählscheiben und von Computern in jedem Haus war noch gar nicht die Rede. 20 Jahre nach Kriegsende und dem Elend der Nachkriegsjahre und kurz vor den sogenannten 68er-Jahren war in Deutschland ein Aufbruch- und Umbruchstimmung zu spüren.
Auch in Sonnenberg war dieser Aufbruch deutlich zu spüren. 1959 wurde die Sonnenberggemeinde unabhängig von der Möhringer Gemeinde und 1966 fand die Gemeinde im neuen Gemeindezentrum mit der großen Kirche eine Heimat. Bis dahin stand in Sonnenberg nur eine kleiner Barackenkirche aus Holz, auch Notkirche genannt. Noch heute erinnern der Gockel im Kircheneingang der Sonnenbergkirche sowie das runde Glasfenster an der Tür zum Garten an die frühere Notkirche. Als Ausdruck einer selbstbewussten, wachsenden Gemeinde bot das neue Gotteshaus mit angegliedertem Gemeindezentrum Platz für ein vielfältiges Gemeindeleben aller Generationen – vom Kindergartenkind bis zum Senior. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Tagtäglich finden in den Räumen des Gemeindezentrums zahlreiche Veranstaltungen und Treffen für Jung und Alt statt, die von einer großen Zahl ehrenamtlicher Mitarbeiter verantwortet werden. In der Kirche werden Gottesdienste in verschiedenen Formen gefeiert, die Zeit zum Zuhören und Innehalten, zum Feiern sowie zum Kraft schöpfen für die kommende Woche bieten. Auch die regelmäßig stattfindenden Konzerte finden einen guten Zulauf.
50 Jahre gehen an einem Gebäude, das so intensiv genutzt wird, natürlich nicht spurlos vorüber. Diese Räumlichkeiten so in Ordnung zu halten und auch zu modernisieren, dass die vielen Besucher sich wohl fühlen, ist daher eine wichtige Aufgabe. So bietet die moderne Küche die Möglichkeit, viele Gäste zu bewirten. In Saal und Kirche verschaffen neue Lautsprecheranlagen jedem Zuhörer einen Hörgenuss, in manchen Gottesdiensten predigt der Pfarrer mit Headset, LED-Leuchten rücken alles ins rechte Licht und verbrauchen gleichzeitig wenig Energie, wir heizen mit Pellets und auch das Internet hat Einzug ins Gemeindezentrum gehalten.
Ein wichtiger Meilenstein der jüngsten Vergangenheit war die Gründung der Stiftung Gemeindezentrum Sonnenbergkirche im Jahr 2011, deren alleiniger
Stiftungszweck der Erhalt der Kirche und des Gemeindezentrums ist. Seit 2014 steht das Gemeindezentrum mit der Sonnenbergkirche als Kulturdenkmal mit besonderer Bedeutung unter Denkmalschutz. Die Auszeichnung ist nicht nur architektonisch zu interpretieren. „Sie zeigt, dass die Kirche ein wirklich lebendiger Ort ist für Sonnenberg“, sagte der damalige Pfarrer Johannes Bröckel anlässlich der Verleihung der Urkunde.

Sabine Klonk